Maryam - Im Schatten der Wölfe

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15,90 EUR
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Beschreibung

Leseprobe: Der Sonnenaufgang über den hohen Baumkronen war wie immer atemberaubend und Maryam streckte ihre Hände der wärmespendenden Scheibe entgegen. Das Wasser, das ihr bis zur Hüfte reichte, war hingegen eiskalt und umspielte ihren nackten Körper mit kleinen Wellen. Sie hatte ihre rote Haarpracht gelöst und die Enden ihrer schweren Locken schwammen auf dem kalten Nass. Der See, der sich weit in die Ebene hinaus erstreckte, war hier, am nördlichsten Ende, dicht von Nadelbäumen umgeben. Gegen Süden wurde der Wald lichter und am südlichen Ende des Sees erhob sich eine sanfte Anhöhe, die baum- und strauchlos diesen Teil des Nordlandes abschloss. Wenn Maryam auf die Anhöhe stieg, dann konnte sie ihren Blick ungehindert bis zum Horizont im Osten schweifen lassen. Jedoch mied sie weitgehend die offenen Flächen, sie und ihre Wölfe bevorzugten die Sicherheit und Verschwiegenheit der dichten Wälder. Obwohl sie in den letzten Monaten öfter als einmal dort gestanden und über die Ebene geblickt hatte, die im Westen wiederum von Wald und Gebüsch begrenzt wurde. Es gab viel Wald hier im Nordland. Meistens war dort nichts zu sehen, eben nur eine weite, offene Fläche. Aber wenn die Luft besonders klar war, hatte sie auch Gestalten erblickt, winzig in der Ferne, und doch waren es eindeutig Menschen. Manchmal gingen oder ritten diese Menschen auf einem Weg, der aus dem Wald zu ihrer Rechten kam und zu einem Gehöft führte, das dort mit blutroten Gebäuden kauerte. Dann hatte sie eine unbestimmte Sehnsucht verspürt, denn sie hatte schon lange keine menschliche Gesellschaft mehr gehabt. Maryam watete zum Ufer zurück und nahm das große Tuch aus den Büschen, wohin sie es zum Lüften gehängt hatte, und trocknete sich ab. Die Sonnenstrahlen wärmten sie langsam, sie griff nach ihren Sachen. Neben den Stiefeln saß der große, schwarze Wolf und schaute sie kritisch an. „Du bist immer noch zu dünn“, bemerkte er und zog die Lefzen zurück, was bei ihm so viel wie ein Lächeln bedeutete. „Also, wenn ich daran denke, wie du warst, als wir uns kennenlernten …“ „Ach, Fenek, damals war ich auch nicht dicker, nur kleiner, und jetzt bin ich eben gewachsen und es sieht nur so aus, als ob ich dünner wäre. Außerdem geht es mir gut und ich fühle mich wohl, so wie ich bin. Punkt!“

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